Buchbeitrag Mittelstandspraxis, 07/2005

Kundennähe durch Anwenderfreundlichkeit

Technische Dokumentation – ein Wettbewerbsvorteil im Hintergrund

Kein Kommunikationsmittel erreicht den Kunden nach dem Kauf so zuverlässig wie die Bedienungsanleitung. Ist diese klar strukturiert und verständlich, erhöht sie die Kundenzufriedenheit und trägt zur langfristigen Kundenbindung bei. Kann man sicherstellen, dass sie auch wirklich zur Kenntnis genommen wird, können sowohl die Kosten für eine persönliche Nachbetreuung als auch die Anzahl der Reklamationen reduziert werden.

Der Nutzen von technischer Dokumentation geht weit über Bedienungsanleitungen hinaus: Dokumentation bildet das kollektive Gedächtnis eines Unternehmens. Schriftlich festgehaltene Informationen dienen als Basis für transparente Projektentscheidungen, interne und externe Kommunikation, Teamkoordination, Qualitätssicherung und Marketing. Bereits bevor ein Produkt auf den Markt kommt, unterstützt eine vollständige Dokumentation den Produktherstellungsprozess und trägt so maßgeblich zur Produktentwicklung bei. Mit der zunehmenden Komplexität, den schnelleren Innovationszyklen und gestiegenen Kundenanforderungen rückt Information als Wirtschaftsfaktor immer stärker in den Vordergrund.

Eine Investition in hochwertige Dokumentation zahlt sich spätestens dann aus, wenn sich das Produkt oder eine seiner Komponenten als fehlerhaft erweist. Schäden aus der Produkthaftung kann so vorgebeugt werden, und der im Kundenauftrag arbeitende Hersteller kann über die projektbegleitende Dokumentation jederzeit den Nachweis erbringen, dass die ausgeführten Leistungen den Vereinbarungen entsprechen.

Begriffsklärung: Technische Dokumentation, technische Kommunikation, technischer Redakteur und technischer Autor

Technische Dokumentation bezeichnet eine strukturierte Sammlung aller für ein Produkt und dessen Verwendung notwendigen und nutzenbringenden Informationen in Papier- oder elektronischer Form. Im multimedialen Zeitalter trägt der Begriff der Technischen Kommunikation der Tatsache Rechnung, dass Dokumentation nicht nur geschrieben, sondern vom Leser auch verstanden werden muss und in diesem Zusammenhang häufig ein interaktiver Prozess zwischen Informationssender und -empfänger angestoßen wird. Der technische Autor hat die Aufgabe, technische Informationen in diesem Sinne verständlich und zielgruppengerecht zu vermitteln. Die 1978 gegründete “Gesellschaft für technische Kommunikation e.V. (tekom)” hat für diese Aufgabe die Berufsbezeichnung des technischen Redakteurs geprägt.

Dokumentation als Marketinginstrument besonders im Mittelstand

Mittelstandsunternehmen zeichnen sich meist durch größere Kundennähe aus. Der direkte Draht zum Kunden befähigt mittlere und kleine Betriebe, schnell und flexibel auf Kundenanforderungen zu reagieren. Wer sich dem Preiswettbewerb entziehen möchte, muss nicht nur die objektive, sondern insbesondere die emotionale Qualität seiner Produkte erhöhen. Diese Steigerung ist mit herausragenden Serviceleistungen möglich, die das Unternehmen von den Mitbewerbern im Markt abheben. Sich mit stärkerer Kundenorientierung einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen gewinnt in den heute herrschenden Käufermärkten zunehmend an Relevanz.

Laut einer Studie der Gesellschaft für technische Kommunikation e.V. (tekom) von 2002[1] nutzen nur 26,1% der Betriebe die technische Dokumentation als strategisches Instrument für die Kundenorientierung und -bindung, obwohl hier große Wettbewerbschancen verborgen liegen:

Eine Bedienungsanleitung ist ein effektives Mittel für die dauerhafte Kommunikation mit dem Kunden und gibt ihm auch nach dem Kauf das Gefühl, richtig gehandelt zu haben. Dies ist ein wichtiger Aspekt der Verkaufspsychologie.[2]

Erfüllt die Bedienungsanleitung die grundsätzlichen Forderungen nach inhaltlicher Zuverlässigkeit, schneller Verständlichkeit und garantierter Rechtssicherheit, dient sie gleichzeitig als Instrument langfristiger Kundenservicebeziehungen. Die Gebrauchsanleitungen sollten deshalb in die Marketingstrategie des Unternehmens eingebettet und Inhalts- und Zielgruppenkonzept aufeinander abgestimmt sein. Ein einheitliches Erscheinungsbild im Corporate Design bürgt im Bewusstsein der Kunden für eine stabile Geschäftsbeziehung.

Kosten-Nutzen-Analyse

Die technische Dokumentation ist ein Teil des Produkts und beansprucht ca. 3–5 % der Herstellungskosten. Je kundenspezifischer und individueller das Hauptprodukt, desto höher fällt dieser Anteil aus; bei Serienproduktion verringern sich die Kosten entsprechend. Offensichtlich gibt es eine direkte Relation zwischen den Kosten für technische Dokumentation und deren Stellenwert im Unternehmen:

Interessanterweise haben die Firmen, die ihre Dokumentation als weniger aktuell und vollständig eingeschätzt haben, die Kosten dafür als sehr hoch angegeben. Die Firmen mit sehr aktueller Dokumentation sahen die Kosten im Gegensatz dazu als weniger kritisch an. Ähnlich verhielt es sich mit der Einschätzung des Zeitaufwands.[3]

Technische Dokumentation besteht aus sieben Einzelprozessen:

Arbeitsschritt Fachkraft
Planung und Konzepterstellung erfahrener technischer Autor/Projektleiter
Texterstellung technischer Autor
Abbildungen/Grafiken technischer Illustrator
Lektorat Korrektor
Übersetzung Fachübersetzer
Publikation Druckerei, CD-Erstellung, Web-Management
Distribution Marketingabteilung, Fachabteilungen

Die einzelnen Prozesse sind unterschiedlich kostenintensiv. Als Richtwerte gelten:

  • Ein technischer Autor produziert am Tag 0,5 bis 1,5 Seiten neue technische Dokumentation oder überarbeitet vier bis zehn Seiten.
  • Ein technischer Zeichner platziert und skaliert am Tag 70–150 Normteile oder wandelt ein bis drei Fotos (13 x 18 cm) in Strichzeichnungen um.
  • Übersetzungen kosten ca. 20–30 % des Aufwands für die Textredaktion.
  • Die Erstellung der Publikationsmedien (Papier, CD-ROM oder Internet) kostet im Verhältnis meistens wenig.[4]

Einfluss auf andere Unternehmensabteilungen

Auch andere Unternehmensbereiche können von technischer Dokumentation unmittelbar profitieren:

  • Wartung/Service/Support:
    Verfügt der Kunden über gut verständliche und übersichtliche Informationen, muss er weniger häufig auf die Hotline zurückgreifen.
  • Produktentwicklung und Qualitätsmanagement:
    Die Qualitätssicherungsabteilung benötigt eine Datenbasis für die Soll-Ist-Analyse.
  • Vertrieb/Verkaufsunterstützung:
    Eine Produktbeschreibung kann die Funktionsweise des Produktes vorab nachvollziehbar demonstrieren.
  • Unternehmenskommunikation:
    Kooperierende Abteilungen müssen Wissensstände koordinieren.
  • Produktivität/Wirtschaftlichkeit:
    Mit einer sinnvoll organisierten Ablage sind benötigte aktuelle Informationen stets im Zugriff.
  • Unternehmensimage:
    Gute Beschreibungen bieten einen Mehrwert, der das Corporate Design stärkt und zum Unternehmensimage beiträgt.
  • Werbung/Marketing
    Aktuelle Produktinformationen bilden die Grundlage für einen gelungenen Werbeauftritt.

In innovativen Unternehmen wird bereits daran gearbeitet, technische Dokumentation für eine effiziente Organisationsentwicklung und ein rationelles Informations- und Datenmanagement zu nutzen.[5] Dokumentation wandelt sich so immer mehr von einem Kostenfaktor im Produktherstellungsprozess zu einem betriebswirtschaftlichen Optimierungsinstrument.

Outsourcing von Dokumentation

Dokumentationsdienstleistungen auszulagern hat viele Vorteile:

  • Einsparung von Schulungskosten
  • Einsparung von Fixkosten für Personal
  • Niedrigere Investitionskosten (Hardware, Software, neue Technologien)
  • Steigerung der Flexibilität
  • professionelle Qualität von Spezialisten
  • Sicherheitshaftung (Konformität mit Rechts- und Normenpraxis)
  • Kostentransparenz bei der Ausführung
  • Zeitersparnis durch parallele Bearbeitung
  • Abdeckung von Bedarfsspitzen
  • Raum für Konzentration auf Kernkompetenzen
  • Erweiterung der Service-Palette
  • Einsatz von Markt-Standards
  • Vergleichbarkeit und Konkurrenzfähigkeit
  • Erwerb von externem Know-how
Die Auslagerung aus dem eigenen Unternehmen scheint aber auch Nachteile mit sich zu bringen. Oft genannt werden:
  • Know-how-Transfer zum Dienstleister
  • Zeitverlust und Qualitätsmängel aufgrund mangelnder Koordination
  • Weitergabe von Betriebsinterna

Entscheidend für die Wahl des externen Dienstleisters ist die Frage nach der Qualität. Doch die Fachpresse gibt inzwischen Entwarnung:

“Denn Outsourcing garantiert die Verfügbarkeit hoch qualifizierter Softwareexperten, welche sich nach international anerkannten Qualitätsstandards richten. […]

Und auch das viel zitierte Argument von einem eventuellen Know-how-Transfer zum Dienstleister oder gar einem Know-how-Verlust des Kunden zieht heute nicht mehr. Denn die Kernkompetenz bleibt stets beim Kunden.” [6]

Gute Technische Dokumentation kann nur entstehen, wenn die Informationswege kurz sind. Ein ständiger Informationsaustausch auf der Sachebene und der Leitungsebene ist zwingende Voraussetzung für das Gelingen eines Dokumentationsprojektes.

Ein externer technischer Autor erhält umfassende Kenntnisse über den Projektverlauf und unternehmensinterne Informationen. Mit einer Geheimhaltungsvereinbarung kann der Dienstleister auf die Wahrung der Geschäftsgeheimnisse verpflichtet werden.

 

Vor Auftragsbeginn empfiehlt es sich, die entsprechenden organisatorischen und vertraglichen Rahmenbedingungen festzulegen, in welchen auch die gewünschten Qualitätskriterien definiert sind. Nur so ist sichergestellt, dass das Dokumentationsprojekt die gewünschten Ergebnisse bringt.

Outsourcing im Mittelstand

Bei kleinen und mittelständischen Unternehmen existiert eine besondere Problematik bei der Dokumentationserstellung. Gerade hier bietet sich der Einsatz eines externen Technischen Autors an, um den unregelmäßig auftretenden Bedarf an technischen Dokumentationen zu decken.

 

Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) […] stellen sich die Schwierigkeiten, den Qualitätsanforderungen technischer Dokumentation gerecht zu werden, anders dar als für Großbetriebe. Dem europäischen Dachverband kleiner und mittelständischer Betriebe für Normung “NORMAPME” zufolge erlauben es die Kosten und die Bedarfslage nicht, technische Redakteure einzustellen. Da Dokumentationsaufgaben nicht kontinuierlich anfallen, lohnt es sich für kleine und mittlere Unternehmen nicht, technische Redakteure einzustellen oder das Personal umfassend weiterbilden zu lassen. In diesen Fällen kommen lediglich Schulungen von kurzer Dauer in Frage oder aber die Vergabe der Aufträge an einen externen Dienstleister.[7]

Versteckte Kosten durch mangelhafte oder fehlende Dokumentation

Im gleichen Maße, wie Dokumentation in verschiedenen Unternehmensbereichen Nutzen bringen kann, kann sie durch mangelhafte Qualität oder Lückenhaftigkeit auch schaden. Dieser wirtschaftliche Schaden ist nicht transparent und daher schwer zu beziffern. Erfahrungswerte lassen eine Schätzung zu, die erhebliche Summen erreichen kann. Prüfen Sie anhand des folgenden Fragebogens selbst:

 

Unternehmensbereich Berechnungsgrundlage Kosten/Jahr Ihre Schätzung
Kundenberatung und Hotline
durch Entwickler
3 Personen x 220 Tage x 30 Min/Tag à 45 €/Std 29.700 €
Hotline- und Telefonkosten 6 Pers. Vollzeit 150.000 €
fehlende Schulungs-,
Präsentationsunterlagen
15% des Marketing-Aufwands 60.000 €
Umsatzverlust durch
unzufriedene Kunden
2 entgangene Lizenzen 150.000 €
längere Einarbeitungszeiten,
Doppelarbeit
1 Person x 110 Tage à 45 €/Std 39.600 €
Fehlentscheidungen durch mangelnde Transparenz 10 Personen x 55 Tage à 50 €/Std 220.000 €
erschwerte Wartung und
Fehlerdiagnose
5 Personen x 220 Tage x 20 Min/Tag à 30 € /Std 88.000 €
Verlust von Informationsträgern Aufarbeiten des Informations-
verlustes: 3 Personen x 110 Tage à 45 €/Std
118.800 €
(einmalig)
Imageverlust durch schlechte Handbuchqualität Mehraufwand für Werbung und Kundenbindung, 50 % des Marketing-Aufwands 200.000 € (einmalig)
Scheitern eines Projektes im Kundenauftrag Entgangener Gewinn und Folgekosten 1.500.000 €

(einmalig)

Verstöße gegen Produkthaftung, Datenschutz, Vertragsrecht Schadensersatzzahlung, Vertragsstrafen 250.000 €

(einmalig)

Insgesamt Beispielrechnung 2.806.100 €

Qualifikation des technischen Autors

Die Organisation der Ausbildung von technischen Autoren ist naturgemäß relativ jung; deshalb stammen technische Redakteure sowohl aus technischen wie auch aus sprachlichen oder pädagogischen Fachrichtungen. Technische Redakteure müssen

  • neben technischen Kenntnissen vor allem pädagogische, sprachliche und didaktische Fähigkeiten besitzen
  • in der Lage sein, sich präzise und zielgruppengerecht auszudrücken
  • wissen, wie Informationen einer Zielgruppe verständlich und nutzbringend vermittelt werden
  • mindestens eine Fremdsprache (möglichst Englisch) in Wort und Schrift beherrschen
  • über sehr gute Kenntnisse der deutschen Sprache (Grammatik-, Interpunktions- und Orthographiekenntnisse) verfügen
  • Arbeitsmittel (Textverarbeitung, Grafikprogramme, DTP) und Handwerkszeug der Dokumentation (Formatierung/Typographie, Layout) beherrschen
  • Grundkenntnisse über kognitive Methoden (Strukturierung, Visualisierung) besitzen
  • moderne Produktionsmethoden kennen, z. B. Druckverfahren, Multimedia
  • Dokumentationsprojekte planen, kalkulieren, organisieren und durchführen können
  • die einschlägigen Gesetze, Vorschriften und Normen sowie das Urheber- und Nutzungsrecht kennen
  • selbständig arbeiten können als auch zur Teamarbeit fähig sein und Grundlagen der Kommunikation beherrschen
  • sich schnell in neue Sachverhalte einarbeiten können[8]

Arbeitsschritte in einem Dokumentationsprojekt

  1. Konzeptionsphase
  • Auftrag entgegennehmen
  • Auftragsdaten abstimmen
  • Inhalte sammeln
  • Zielgruppen bestimmen
  • Dokumentationsmedium festlegen (Papier, Online- oder CBT-System)
  • Kooperationspartner festlegen (z. B. Grafiker, Übersetzer)
  • Rahmenbedingungen klären, u. a. Vorschriften und Normen
  • Gliederung, Aufbaumodule entwerfen
  • Typographie, Layout, Erscheinungsbild (Corporate Design) festlegen
  • Unternehmensgestalt (Corporate Identity)/ Marketingstrategie abstimmen
  • Organisationssystem für Aktualisierung und Erweiterung bestimmen
  • Auflage und Produktionsverfahren planen und überwachen
  • Terminpläne abstimmen (u. a. Redaktionsschluss)
  • Personalplan festlegen
  • Kostenplan festlegen
  • Arbeitsmitteleinsatz koordinieren
  • Übersetzungen veranlassen und lektorieren
  • Abbildungen (Grafiken, Fotos) veranlassen und lektorieren
  1. Produktionsphase
  • Inhalte recherchieren
  • mit Entwicklern/Konstrukteuren und Anwendern kommunizieren
  • mit Zulieferern (z. B. Grafikern, Fotografen, Übersetzern) kommunizieren
  • mit dem Produkt arbeiten, testen
  • produkttypische Erfahrungen auswerten (Vorläufer, Konkurrenz)
  • Informationen bewerten, strukturieren und integrieren
  • Rohfassung erstellen
  • Inhalte mit dem Auftraggeber abstimmen
  • mit Entwicklern/Designern der Benutzeroberfläche kommunizieren
  • Korrekturläufe veranlassen und einarbeiten
  • Endfassung erstellen
  1. Publikationsphase
  • mit Layoutern, Setzern, Druckern kommunizieren
  • Satz bzw. elektronisches Medium erstellen/sicherstellen
  • Verteilung oder Vertrieb veranlassen
  • Feedback einholen, Reklamationen bearbeiten
  • Archivierung veranlassen oder durchführen
  • Aktualisierung bzw. Deaktivierung veranlassen[9]

Dokumentationsarten und Zielgruppen

Ganz entscheidend für den Nutzen von technischen Dokumentationen ist die Ausrichtung der Dokumentation auf den Anwendungszweck und den Adressaten. Die Arbeit von technischen Redakteuren beginnt also mit der Frage: Wer möchte was tun und muss dazu was wissen? Je nach Zielgruppe und Einsatzzweck gibt es deshalb verschiedene Arten der Dokumentation. Führungskräfte brauchen andere Informationen als Kunden, Entwickler andere als Endanwender. An der Schwelle zwischen interner und externer Dokumentation ist zu entscheiden, welche Informationen an welche Zielgruppe weitergegeben werden dürfen bzw. müssen. Die folgende Tabelle zeigt, wie Dokumentationen dem jeweiligen Anwendungskontext angepasst werden müssen:

Ziel Dokumentationsart Adressat Dokumentationszweck
intern Anforderungs-
katalog
Auftraggeber,
beteiligte Abteilungen
Kommunikationsgrundlage
Projekt-
dokumentation
Management Entscheidungs- und
Kontrollinstrument
Entwickler-
dokumentation
Entwicklung Prozessbeschreibung,
Wissensbasis, Datenkatalog
extern Benutzer-
dokumentation
Anwender,
Administrator
Installations-, Bedienungs- und Wartungsanleitung

Außer der Perspektive auf den Adressaten und seinen Kontext des Informationsbedürfnisses gibt es verschiedene Dokumentationsfunktionen im Produktzyklus des zu beschreibenden Produkts. Diese linear-chronologische Perspektive wird bestimmt von den verschiedenen Informationsbedürfnissen in der Erstellung des Produkts von der Idee und Konzeption bis hin zur Deaktivierung nach Ende des Produktnutzungszeitraums. Die folgende Tabelle zeigt, wann welche Dokumentationsformen gebraucht werden und welche Funktionen diese Formen besitzen:[10]

Produktlebenszyklus Dokumentation
Produktlebenszyklus Dokumentation

Stilblüten der Dokumentation[11]

“Briefen für Besücher werden im Büro in einer Gestell gesetzt. Briefen für postieren sollen im Briefkasten beim Laden geplatzt werden. Diesen mussen Briefmarken haben”

(Campingplatzordnung Blair Castle, Schottland)

 

”Bremsgummi ‘A’ genau auf die Höhe der Felgenbremsfläche einstellen und die Bremsschuhmutter fest anziehen. Bowdenzugnippel ‘B’ in den Hebelschlitz ‘C’ einführen. Anschlag- und Endhülse ‘D’ in die Hebelhülse ‘E einsetzen.”

(Fahrradmontageanleitung)

 

”Anstatt dreier einzelner Schnüre empfiehlt Piet Hein die Verwendung einer einigen längeren Schnur. Man zieht sie durch das Loch der einen Plakette, verknotet das Ende, damit es nicht durch das Loch rutschen kann, zieht sie danach durch das erste Loch der anderen Plakette führt sie von dort durch das mittlere Loch und hinüber zum mittleren Loch der ersten Plakette, von wo aus man sie dann zum dritten Loch dieser Plakette führt, sie zum dritten Loch der anderen hinüberzieht und das andere Ende hinter diesem Loch verknotet.”

(Buch über mathematische Knobeleien)

 

“Beim Belegen einer Leine (z.B. Fall) an einer Klampe legen wir zunächst einen Rundtörn, und zwar so, daß er sich nicht selbst bekneift. (d.h. die Leine muß zunächst noch am Zug freigegeben werden können). Dann folgen etwa zwei Kreuzschläge in Achterform und zuletzt ein sich selbst bekneifender Kopfschlag. Wird der Kopfschlag in geslipter Ausführung gelegt, dann ist er wieder leichter (d.h. mit einem Zug) lösbar.”

(Segel-Anleitungsbuch)

 

“Es gibt kein Menü auf dem Bildschirm und nach rechts dreht den Drehknopf, oder entgegengesetzt nach rechts, der verursacht, erscheint der Datenträgerstab. Diesmal drehen Sie den Drehknopf nach rechts zur Zunahme oder, den Datenträger nach links herum auf und ab zu verringern. Dann betätigen Sie und geben Sie den Drehknopf frei, um Datenträgerstab zu verursachen erscheinen. Folgen Sie bitte der Prozedur der Auswahl und stellen Sie ein Einzelteil mit dem OSD-System wie unterhalb der Jobsteps auf Hauptleitung Funktionen Justage ein.”

(Anleitung für die Bildschirmeinstellung eines Computermonitors)

 

Checkliste: Wie gut ist Ihre Dokumentation?

Produktdokumentation ist die Visitenkarte eines Unternehmens. Prüfen Sie die Qualität Ihrer Anwendungsdokumentation anhand folgender Fragen:

  1. Präsentation
  • Sind Druckformat und Bindung gut zu handhaben?
  • Ist der Rand zwischen der Bindung und dem Text ausreichend?
  • Sind Schriftart und -größe gut lesbar?
  • Ist die Dokumentation frei von Orthographie- und Zeichensetzungsfehlern?
  • Sind Farben und Schattierungen einheitlich und unaufdringlich?
  1. Stil
  • Wurden bestehende Stilrichtlinien des Hauses befolgt?
  • Haben alle Verben die aktive Form?
  • Ist der Sprachstil flüssig und präzise?
  • Wurde in konkreten Anleitungen der Imperativ verwendet?
  • Besteht der Text aus kurzen, gut lesbaren Absätzen?
  1. Struktur
  • Sind die Informationen einheitlich strukturiert?
  • Sind verwandte Themen parallel aufgebaut?
  • Stehen häufig gebrauchte, allgemeine Informationen am Anfang?
  • Existieren in einem Unterkapitel mindestens zwei Abschnitte?
  • Werden Themen als in sich geschlossene Einheiten behandelt?
  • Wird der gesamte Produktzyklus berücksichtigt (auch Installation, Wartung)?
  • Sind (bei Online-Texten) verwandte Themen untereinander verlinkt?
  1. Richtigkeit
  • Entsprechen alle dargestellten Sachverhalte den Tatsachen?
  • Sind die Texte auf dem aktuellen Stand/ der richtigen Version zugeordnet?
  • Ist die Dokumentation frei von Orthographie- und Zeichensetzungsfehlern?
  1. Nachvollziehbarkeit
  • Orientiert sich die Anleitung an der Situation des Benutzers?
  • Werden Fachbegriffe konsistent angewendet?
  • Sind Fachbegriffe dem Kenntnisstand des Lesers angepasst?
  • Beziehen sich die Beispiele auf konkrete Situationen?
  • Werden Konventionen erläutert? Gibt es eine Legende?
  • Ergänzen die Grafiken und Bilder den Text sinnvoll?
  1. Wiederauffindbarkeit
  • Ist das Inhaltsverzeichnis leicht verständlich?
  • Werden Fachbegriffe in einem Glossar definiert?
  • Verzeichnet ein Stichwortverzeichnis sinnvolle Suchwörter?
  • Führen Querverweise zu den richtigen Dokumenten?
  1. Dokumentenverwaltung
  • Existiert ein Literaturverzeichnis zu verwandten Themen?
  • Geht die Produktversion und die Ausgabe aus dem Dokumententitel hervor?
  • Werden die Dokumente regelmäßig gesichert?
  • Können frühere Versionen der Dokumente wiederhergestellt werden?
  • Gibt es Konventionen zur Benennung von Verzeichnissen und Dateien?
  1. Rechtliche Bestimmungen
  • Existiert ein Copyright-Vermerk?
  • Ist ein Haftungsausschluss enthalten?
  • Sind Datenschutzbestimmungen eingehalten?
  • Sind Marken und Warenzeichen anderer Firmen korrekt angegeben?

Gesetze, Normen und Richtlinien für Dokumentation

GPSG Geräte- und Produktsicherheitsgesetz
ProdHaftG Produkthaftungsgesetz
VDI 4500 Blatt 1 Technische Dokumentation: Benutzerinformation
DIN EN 62079 Erstellen von Anleitungen: Gliederung, Inhalt und Darstellung
DIN 5008 Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung
DIN 6789-1 Dokumentationssystematik
Aufbau technischer Produktdokumentationen

 

Literaturverzeichnis

Fachzeitschrift “technische kommunikation”, 3/2000, Online-Archiv der tekom.

Fachzeitschrift “technische kommunikation”, 5/2002, Online-Archiv der tekom

Fachzeitschrift “technische kommunikation”, 4/2003, Online-Archiv der tekom.

Ergebnis einer Umfrage des Zentrums für Mensch-Maschine-Interaktion der Technischen Universität Kaiserslautern 2002 unter kleinen und mittelständischen Betrieben, Online-Archiv der tekom.

Fachzeitschrift “COMPUTERWOCHE” Nr. 14 vom 02.04.2004, Online-Archiv der COMPUTERWOCHE

Tabellenband “Stand und Perspektiven der Technischen Kommunikation”, tekom, Stuttgart 2002, S. 49f.

Schrift “Berufsbild des Technischen Redakteurs”, tekom ohne Jahresangabe, ohne Seitenzahlen

Handbuch für technische Autoren und Redakteure, VDE Verlag GmbH, Berlin/Offenbach, 2002, S. 25ff

Beim Einschalten auf AUS drücken, Rosenheimer Verlagshaus Alfred Förg GmbH & Co KG, Rosenheim 1989, ohne Seitenzahlen

Bedienungsanleitung des Monitors 772M der Firma Proview Electronics (Sheng Zen) & Co. Ltd (China), Seite 32

 

[1] Tabellenband “Stand und Perspektiven der Technischen Kommunikation”, tekom, 2002, S. 49.

[2] Fachzeitschrift “technische kommunikation”, tekom, 5/2002, Online-Archiv der tekom

[3] Ergebnis einer Umfrage des Zentrums für Mensch-Maschine-Interaktion der Technischen Universität Kaiserslautern 2002 unter kleinen und mittelständischen Betrieben, Online-Archiv der tekom.

[4] Vgl. Fachzeitschrift “technische kommunikation”, tekom, 3/2000, Online-Archiv der tekom.

[5] Tabellenband “Stand und Perspektiven der Technischen Kommunikation”, tekom, 2002, S. 49f.

[6] COMPUTERWOCHE Nr. 14 vom 02.04.2004, Online-Archiv der COMPUTERWOCHE

[7] Fachzeitschrift “technische kommunikation”, tekom 4/2003, Online-Archiv der tekom.

[8] Vgl. “Berufsbild des Technischen Redakteurs”, tekom o.J., o. Seitenzahlen.

[9] Vgl. “Berufsbild des technischen Redakteurs”, tekom o. J., o. Seitenzahlen.

[10] Vgl. Handbuch für technische Autoren und Redakteure, VDE Verlag GmbH, Berlin/Offenbach, 2002, S. 25ff

[11] Beiträge 1 – 4 aus “Beim Einschalten auf AUS drücken”, Rosenheimer Verlagshaus Alfred Förg GmbH & Co KG, Rosenheim 1989, ohne Seitenzahlen. Beitrag 5 aus der Bedienungsanleitung des Monitors Modell 772M der Firma Proview Electronics (Sheng Zen) & Co. Ltd (China), Seite 32

Im Handel erhältlich seit Ende Juli 2005 unter der ISBN 3-938453-00-1

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