09.08.2004 Pressemeldung des CID

Schlechte Software-Handbücher ein Ärger

Software wird immer günstiger. Doch die Schnäppchen haben meist einen Haken: Um die niedrigen Preise zu erzielen, sparen die Hersteller gerne an den Handbüchern. Ein pures Ärgernis, wie sich oftmals erst nach dem Kauf herausstellt.

Meldung von Joachim Scheible

Computer-Informationsdienst Stuttgart 09.08.2004 – Sollen Handbücher von Software hilfreich und sinnvoll sein, müssen sie aus der Sicht des Anwenders geschrieben sein und seiner Arbeitsweise entsprechen. Das fordert Bettina Zastrow, Expertin und freie Autorin von Software-Dokumentationen aus Böblingen bei Stuttgart. „Viele Firmen meinen, es reicht völlig aus, wenn ihre Programmierer nach dem Ende der Produktentwicklung ein paar Aufzeichnungen machen, daraus ein Handbuch stricken und den Rest einem Texterfassungsbüro überlassen.” Entwickler verwendeten jedoch viel zu oft ihr eigenes, technisch orientiertes Vokabular, das von Technischen Redakteuren erst noch in die Sprache des Verbrauchers übersetzt werden müsse. Viele Hersteller würden nicht nur dem Kunden, sondern auch sich und deshalb einen großen Gefallen erweisen, wenn sie mehr Gewicht auf die Qualität ihrer Handbücher legten. Zastrow: „Mit minderwertigen Bedienungsanleitungen verärgert man nur seine Kunden.” Folge: Selbst einfache Fragen müssten letztlich doch wieder per Hotline geklärt werden – und das kostet damit weiteres Geld.
Schlechte oder viel zu dünne Handbücher gibt es offenbar zuhauf. Beispiel: das Handbuch einer Scannersoftware des Hardwareherstellers Primax International. Der Befehl „Speichern” bezieht sich darin nicht etwa auf das Speichern einer Datei, sondern auf das Speichern der zuvor gemachten Einstellungen. Das wird aber mit keinem Wort erwähnt und führt den Nutzer deshalb vollkommen in die Irre. Auch der Befehl „Bestimmung” erschließt sich erst nach längerem Experimentieren. Dann stellt sich heraus, dass es sich dabei um das Speicherziel des eingescannten Bildes handelt. Das Handbuch hätte dabei nicht weitergeholfen.
Und auch die Crème de la Crème der PC-Industrie muss sich den Vorwurf des unkonzentrierten Umgangs mit Handbüchern gefallen lassen. Beispiel „Microsoft Word”: „Wenn man in der Hilfe nach einer bestimmten Funktion sucht, wird man garantiert nicht fündig”, wundert sich Zastrow, seit über 15 Jahren als Technische Redakteurin im Geschäft. Gerade in „Word” fände der Hilfesuchende meist nur fremde Begriffe und Satzungetüme, mit welchen er nichts anfangen kann. Niemand habe aber so viel Zeit, stundenlang in der Onlinehilfe nach einem Thema zu suchen. „Die Nutzer möchten konkrete Antworten auf konkrete Fragen.”
Ein zufriedenstellendes Handbuch muss deshalb grundsätzlich folgende Kriterien erfüllen: Die Schrift muss gut lesbar sein, der Text möglichst keine Rechtschreibfehler enthalten und aus kurzen, prägnanten Sätzen bestehen. Dazu muss es übersichtlich gegliedert, kurz gefasst, in sich geschlossen sein und den gesamten Arbeitszyklus abdecken: Installation, Verwendung und Wartung. Informationen, die voraussichtlich am häufigsten gebraucht werden, müssen am Anfang stehen. Inhaltlich dürfen keine falschen Tatsachen vermittelt werden, und die Dokumentation muss auf dem aktuellen Stand der Software sein. In punkto Sprache und Nachvollziehbarkeit muss sich ein Handbuch an den Bedürfnissen des Benutzers orientieren und sollte möglichst wenig Fremdwörter beinhalten. Beispiele müssen sich auf realistische Situationen beziehen und sollten von Grafiken und Bildern unterstützt sein. Fachbegriffe müssen unbedingt in einem Glossar erklärt werden, und im Stichwortverzeichnis sollten vor allem die Wörter aufgeführt sein, nach denen der Leser voraussichtlich suchen wird. Und schließlich dürfen die rechtlichen Hinweise nicht fehlen: So müssen Produktname, Firma und Kontaktdaten klar ersichtlich sein, damit der Anwender die Möglichkeit hat, im Falle der Fehlerhaftigkeit des Produktes seine Rechte wahrnehmen zu können.

© 2004 Global Press Nachrichtenagentur